Die Rückkehr der Wölfe führt in Deutschland zum Teil zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Entwicklung. Von vielen Landesregierungen wurde ein sogenanntes Wolfsmanagement aufgelegt, das ein konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf ermöglichen soll. Rund drei Viertel der Bevölkerung finden es gut, dass es wieder Wölfe in Deutschland gibt.

Verbreitung des Wolfes in Hessen

Der Wolf war früher in ganz Europa zu finden. In vielen Gebieten wurde er durch menschliche Verfolgung ausgerottet oder auf wenige, isolierte Vorkommen zurückgedrängt. Durch die zunehmende Nutztierhaltung musste er immer mehr Territorium hergeben. Erst in den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein Umdenken und der Wolf wurde in einigen europäischen Ländern unter Schutz gestellt. So ist er in den westlichen Bundesländern seit 1987 eine streng geschützte Art. Mit der Wiedervereinigung wurde der Schutzstatus auf ganz Deutschland ausgeweitet und 1992 wurden Wölfe EU-weit als prioritäre FFH-Art (FFH steht für Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) unter Schutz gestellt.
Seit dem Jahr 2006 werden auch in Hessen immer wieder einzelne durchziehende Wölfe dokumentiert, ohne dass sie ausgesetzt, angelockt oder angesiedelt wurden. Bis Anfang 2015 konnte nur ein Wolf nachweislich über mehrere Jahre im Reinhardswald überleben (2006 bis 2011). Dieser Wolf im Reinhardswald erfreute sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung, was vor allem auch der Umsicht der in Nordhessen mit dem Management betrauten Personen und Institutionen zu verdanken ist. Es wird erwartet, dass in nächster Zeit mehr Wölfe den Weg nach Hessen finden werden, bisher waren es immer nur Einzeltiere auf der „Durchreise“.

Dokumentierte Wolfsbestände in Deutschland:

Die meisten der heute in Deutschland und im westlichen Polen territorial lebenden Wölfe werden der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zugeordnet. Einige der im 21. Jahrhundert nach Bayern und Baden-Württemberg eingewanderten (und in einem Fall bis Hessen und Rheinland-Pfalz weitergezogenen) Wölfe gehören der alpinen Population an. Auch aus der Dinariden-Balkan-Population sind einzelne Wölfe bis in den deutschen Alpenraum gewandert. Wölfe scheinen in Deutschland „Habitatstrukturen mit einem heideähnlichen Charakter“ zu bevorzugen sowie Lebensräume, „die aufgelockerte Waldbestände und damit hinreichende Deckungsmöglichkeiten beinhalten“. Wolfslebensräume sind in Deutschland außerdem durch eine spärliche menschliche Besiedlung und geringe Verkehrsdichten (wenige Straßen) sowie durch hohe Bestandsdichten freilebender Paarhufer wie Rehe, Rothirsche und Wildschweine gekennzeichnet. Nach Ostdeutschland aus Polen eingewanderte Wölfe halten sich insbesondere auf Truppenübungsplätzen und Rekultivierungsflächen ehemaliger Tagebaue auf.

Von 233 im Zeitraum von 1990 bis Januar 2018 in Deutschland tot aufgefundenen Wölfen waren rund 70 Prozent Verkehrsopfer; zweithäufigste Todesursache waren illegale Tötungen mit 14 Prozent. Sowohl hinsichtlich der Zahl illegaler Tötungen als auch der Verkehrsopfer ist von einer Dunkelziffer auszugehen. Dennoch wird die jährliche Wachstumsrate der Wolfspopulation in Deutschland je nach Quelle mit 30 bis 35 Prozent angegeben.

Künftig können wieder Wölfe durch Hessen streifen. Die Chance, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ist aber äußerst gering. Viele angeblich einem Wolf zugeschriebenen Ereignisse und Sichtungen stellen sich als Fehlmeldungen heraus, auch wenn erst Anfang März ein Wolf in der Nähe von Herborn (Lahn-Dill-Kreis) durch einen Verkehrsunfall getötet aufgefunden wurde. Wölfe sind übrigens für Menschen nicht gefährlicher als z.B. Wildschweine!

Hier dennoch einige Verhaltenshinweise, falls Sie das Glück haben, einem wolfsähnlichen Tier zu begegnen.

• Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht unverzüglich zurückziehen, sollte diese im Auge behalten, aber nicht direkt anstarren, sich langsam entfernen, bzw. mit dem Fahrrad langsam weiterfahren.
• Folgen der oder die Wölfe in gewissem Abstand: nicht hastig entfernen oder weglaufen, sondern langsam, betont uninteressiert weitergehen bzw. fahren und dabei laut sprechen.
• Kommen ein oder mehrere Wölfe offensichtlich direkt auf einen zu, so handelt es sich in der Regel um neugierige Jungtiere: Stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen, ggf. sich mit einem Knüppel bewaffnen und – bei weiterer Annäherung des Tieres - mit Gegenständen werfen.

Weitere Hinweise finden Sie auf der Seite https://umwelt.hessen.de/umwelt-natur/naturschutz/arten-biotopschutz/wolfsmanagement des Umweltministeriums Hessen.

Im aktuellen Koalitionsvertrag der CDU und Bündnis 90/DIE GRÜNEN Hessen ist das Thema Wolf auch in einem Absatz zu finden. Dort ist auf Seite 112 folgender Passus zu lesen: „(…) Für zurückkehrende oder neu angesiedelte Tierarten in Hessen werden wir besondere Verantwortung übernehmen. Insbesondere werden wir für Schäden in der Landwirtschaft durch den Wolf entsprechende Entschädigungsregeln erstellen und Prävention sowie Schadensregulierung unbürokratisch regeln. Die Wolfsmanagementpläne wollen wir beibehalten und weiter praxistauglich ausgestalten. In besonderen Härtefällen oder bei besonderer Gefahr für den Menschen kann weiterhin eine Tötung zugelassen werden“.

Wenn es nach der Gesetzesänderung geht, die Svenja Schulze (SPD), Bundesumweltministerin vorgestellt hat, sollen Tiere erst zur Tötung freigegeben werden, wenn sie mehrfach Schutzzäune überwunden und Herdentiere gerissen haben. Oder sie kommen Menschen zu nahe.

Derzeit sieht die Gesetzeslage so aus: Der Wolf steht in Deutschland unter Artenschutz, sein Abschuss ist streng reglementiert und darf nur ausnahmsweise mit behördlicher Erlaubnis erfolgen. Dabei gelten strikte Regeln und Voraussetzungen. Allgemein wird dies nicht mehr als ausreichend angesehen und führt vielerorts zu Unsicherheiten, wann denn nun ein Abschuss erlaubt sei.

Der Wolf steht übrigens auch für Gemeinschaft, Taktik und Wissen.

Wölfe sind bekanntlich Rudeltiere und kommen am besten in der Gruppe zurecht; ganz entgegen dem Mythos des einsamen Wolfs. Dank raffinierter Jagdstrategien gelingen ihnen durch Taktik und genaues Beobachten erfolgreiche Beutezüge. Nicht umsonst übertragen die älteren Wölfe ihr Wissen auf die Jungtiere.

Steckbrief:
Der Wolf (Canis lupus) ist das größte Raubtier aus der Familie der Hunde (Canidae). Wölfe leben in der Regel in Familienverbänden, umgangssprachlich Rudel genannt. Hauptbeute sind in den meisten Regionen mittelgroße bis große Huftiere. Die Art war seit dem späten Pleistozän in mehreren Unterarten in ganz Europa, weiten Teilen Asiens, einschließlich der Arabischen Halbinsel und Japan, und in Nordamerika verbreitet.

Lebenserwartung: 6-8 Jahre (in der Wildnis)
Höhe: 66-81 cm
Länge: 1,4-2 m
Gewicht: 30-80 Kg (männlich) 23-55 Kg (weiblich)

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